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Di Grannysweed Redaktion

Cannabis Luftfeuchtigkeit: Optimale Werte für Wachstum & Blüte

Welche Luftfeuchtigkeit braucht Cannabis? Als grobe Orientierung kannst du mit höheren Werten bei jungen Pflanzen starten und die Luftfeuchtigkeit Richtung Blüte schrittweise senken.

Phase Luftfeuchtigkeit VPD grob
Keimling / junge Pflanze ca. 65–75 % RH ca. 0,5–1,0 kPa
Wachstum ca. 55–70 % RH ca. 0,7–1,2 kPa
Frühe Blüte ca. 50–60 % RH ca. 1,0–1,5 kPa
Späte Blüte ca. 45–55 % RH ca. 1,0–1,5 kPa

Wichtig: Das sind Richtwerte, keine festen Naturgesetze. Temperatur, VPD, Genetik, Pflanzengröße und Luftbewegung gehören immer mit dazu.

Warum ist die Luftfeuchtigkeit bei Cannabis wichtig?

Cannabispflanzen geben über ihre Blätter Wasser an die Umgebung ab. Die Luftfeuchtigkeit beeinflusst, wie stark dieser Prozess abläuft.

Ist die Luft sehr trocken, steigt die Nachfrage der Umgebung nach Wasser. Ist sie sehr feucht, fällt dieser Unterschied kleiner aus.

Relevant ist die Luftfeuchtigkeit deshalb unter anderem für:

  • Transpiration und Wasserhaushalt,
  • Pflanzenentwicklung,
  • Klima im Growzelt
  • und in der Blüte besonders für das Risiko eines zu feuchten Mikroklimas in den Buds.

Luftfeuchtigkeit bei Cannabis-Keimlingen

Junge Pflanzen besitzen noch ein kleines Wurzelsystem. Deshalb wird in dieser Phase häufig mit einer vergleichsweise hohen Luftfeuchtigkeit gearbeitet.

Richtwert: etwa 65–75 % RH.

Bei Stecklingen können zeitweise noch höhere Werte sinnvoll sein. Das bedeutet aber nicht, dass Substrat und Blätter dauerhaft nass sein sollten.

Luftfeuchtigkeit in der Wachstumsphase

Mit zunehmender Wurzel- und Blattmasse kann die Luftfeuchtigkeit reduziert werden.

Richtwert in der Vegetationsphase: etwa 55–70 % RH.

Wichtiger als exakt 60 oder 65 % zu treffen ist, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit zusammenpassen und das Klima stabil bleibt.

Welche Luftfeuchtigkeit braucht Cannabis in der Blüte?

In der Blüte solltest du die Luftfeuchtigkeit stärker im Blick behalten, weil kompakte Buds ein eigenes Mikroklima entwickeln können.

Praktische Orientierung:

  • frühe Blüte: ungefähr 50–60 % RH
  • späte Blüte: häufig ungefähr 45–55 % RH

Je dichter die Blüten werden, desto wichtiger werden gute Luftbewegung und ein nicht dauerhaft zu feuchtes Klima.

Eine Cannabis-Untersuchung zeigte beispielsweise, dass die relative Luftfeuchtigkeit innerhalb dichter Blüten deutlich höher liegen kann als in der Umgebungsluft. Ein Hygrometer an der Zeltwand erzählt deshalb nicht immer die komplette Story.

Sind 60 % Luftfeuchtigkeit in der Blüte zu hoch?

Nicht automatisch.

60 oder 62 % RH für kurze Zeit bedeuten nicht, dass deine Buds sofort schimmeln.

Problematischer wird die Kombination aus:

  • dauerhaft hoher Luftfeuchtigkeit,
  • dichten Blüten,
  • wenig Luftbewegung,
  • kühleren Temperaturen
  • und einem sehr dichten Pflanzenbestand.

Gerade in der späteren Blüte würde ich deshalb eher auf dauerhaft stabile Werte achten als wegen einzelner Peaks nervös zu werden.

Hohe Luftfeuchtigkeit und Bud Rot

Eine der größten Sorgen in der Blüte ist Botrytis cinerea, besser bekannt als Bud Rot beziehungsweise Blütenfäule.

Dichte Cannabisblüten können innen deutlich feuchter sein als die gemessene Raumluft. Forschung an Cannabis zeigt außerdem, dass zusätzliche Luftbewegung die Feuchtigkeit im Blütenbereich reduzieren und unter Versuchsbedingungen die Häufigkeit von Bud Rot senken kann.

Deshalb gilt:

Nicht nur RH messen – auch für Luftbewegung durch und um die Pflanzen sorgen.

Warum steigt die Luftfeuchtigkeit nachts?

Nach Licht-Aus sinkt häufig die Temperatur im Growzelt. Kühlere Luft kann weniger Wasserdampf aufnehmen, wodurch die relative Luftfeuchtigkeit steigt.

Gleichzeitig geben Pflanzen und Substrat weiterhin Feuchtigkeit ab.

Deshalb solltest du nicht nur tagsüber messen. Ein Hygrometer mit Min-/Max-Speicher oder Datenlogging zeigt dir, wie hoch die RH während der Dunkelphase tatsächlich steigt.

Was ist VPD bei Cannabis?

VPD steht für Vapor Pressure Deficit und beschreibt vereinfacht, wie stark die Umgebungsluft Wasser aus der Pflanze aufnehmen kann.

Der Vorteil: VPD betrachtet Temperatur und Luftfeuchtigkeit zusammen.

Denn 60 % RH bei 20 °C sind für die Pflanze nicht dasselbe wie 60 % RH bei 28 °C.

Als grobe Cannabis-Richtwerte werden häufig verwendet:

  • Keimlinge / junge Pflanzen: ca. 0,5–1,0 kPa
  • Wachstum: ca. 0,7–1,2 kPa
  • Blüte: ca. 1,0–1,5 kPa

Auch das sind Orientierungswerte. Der genaue Leaf-VPD hängt zusätzlich von der tatsächlichen Blattoberflächentemperatur ab.

Zu hohe Luftfeuchtigkeit im Growzelt: Was tun?

1. Abluft prüfen

Feuchte Luft muss aus dem Zelt heraus und durch trockenere Zuluft ersetzt werden können.

Prüfe:

  • läuft die Abluft ausreichend?
  • kann genug Zuluft nachströmen?
  • ist ein Filter oder Schlauch stark eingeschränkt?
  • wird die feuchte Abluft direkt wieder in denselben kleinen Raum geblasen?

2. Raum statt nur Growzelt entfeuchten

Wenn das Zelt ständig Luft mit 70 % RH aus dem Raum ansaugt, kann die Abluft allein das Problem kaum lösen.

Dann ist ein Luftentfeuchter im Raum häufig die sinnvollere Lösung.

3. Umluft verbessern

Ventilatoren entfernen keine Feuchtigkeit aus dem Raum, verhindern aber lokale feuchte Zonen.

Die Luft sollte auch zwischen und unter den Pflanzen zirkulieren können – nicht nur über den Tops.

4. Zu dichten Pflanzenbestand vermeiden

Mehr Blattmasse bedeutet mehr Transpiration. Gleichzeitig verschlechtert ein komplett zugewachsenes Zelt die Luftbewegung.

5. Gießzeitpunkt beachten

Nach dem Gießen steigt die Feuchtigkeit häufig. Wenn dein stärkster RH-Anstieg ohnehin nach Licht-Aus kommt, kann es sinnvoll sein, größere Wassergaben nicht genau in diese Phase zu legen.

Zu niedrige Luftfeuchtigkeit bei Cannabis

Sehr trockene Luft ist ebenfalls nicht automatisch optimal.

Bei hoher Temperatur und niedriger RH steigt der VPD stark an. Dadurch kann die Pflanze schneller Wasser verlieren.

Mögliche Hinweise auf ein zu trockenes beziehungsweise zu heißes Klima sind:

  • sehr schneller Wasserverbrauch,
  • schnell austrocknendes Substrat,
  • Welke trotz vorhandener Bodenfeuchte
  • oder andere Stresssymptome an den Blättern.

Diese Symptome können allerdings auch andere Ursachen haben – deshalb immer das gesamte Setup prüfen.

Wo sollte das Hygrometer im Growzelt hängen?

Am sinnvollsten misst du ungefähr auf Höhe des Blätterdachs beziehungsweise der Blüten.

Nicht direkt:

  • neben dem Luftbefeuchter,
  • vor einem Ventilator,
  • am Abluftanschluss
  • oder direkt über feuchtem Substrat.

Bei größeren Zelten können zwei Sensoren sinnvoll sein. So erkennst du Unterschiede zwischen oberen und unteren Bereichen.

Die häufigsten Fehler bei Cannabis-Luftfeuchtigkeit

  • Nur einen festen RH-Wert verfolgen: Temperatur und VPD gehören dazu.
  • Nur tagsüber messen: nach Licht-Aus kann die RH stark steigen.
  • Umluft mit Entfeuchtung verwechseln: Ventilatoren bewegen Luft, entfernen aber kein Wasser.
  • Sensor falsch platzieren: direkt am Befeuchter misst du nicht das Pflanzenklima.
  • Blüte wie Veg behandeln: dichte Buds brauchen mehr Aufmerksamkeit beim Thema Feuchtigkeit.
  • Bei jedem Peak panisch reagieren: Dauer und Gesamtklima sind wichtiger als ein einzelner Wert.

Luftfeuchtigkeit in der späten Blüte

Je dichter und reifer die Blüten werden, desto wichtiger wird das Thema Schimmelprävention.

In dieser Phase würde ich besonders achten auf:

  • stabile Luftfeuchtigkeit,
  • gute Luftbewegung,
  • keine Kondensation,
  • ausreichenden Luftaustausch
  • und regelmäßige Kontrolle der Buds.

Wenn die Blüte sich dem Ende nähert, kannst du außerdem die Trichome kontrollieren. Dazu findest du unseren Guide: Trichome erntereif? Cannabis-Erntezeitpunkt erkennen.

Temperatur, Licht und Luftfeuchtigkeit zusammendenken

Klima und Beleuchtung hängen zusammen. Änderst du die Lichtleistung deutlich, können sich auch Temperatur, Blattoberflächentemperatur, Wasserverbrauch und VPD verändern.

Dazu passen unsere Guides zu PPFD und DLI bei Cannabis sowie Lichtstress bei Cannabis.

FAQ zur Cannabis-Luftfeuchtigkeit

Welche Luftfeuchtigkeit braucht Cannabis?

Als grobe Orientierung etwa 65–75 % RH für junge Pflanzen, 55–70 % im Wachstum und ungefähr 45–60 % in der Blüte. Temperatur, VPD und Pflanzenphase müssen dabei mitberücksichtigt werden.

Welche Luftfeuchtigkeit ist in der Blüte ideal?

Häufig werden etwa 50–60 % RH in der frühen und 45–55 % in der späteren Blüte genutzt. Bei sehr dichten Buds sind Luftbewegung und Schimmelprävention besonders wichtig.

Sind 60 % Luftfeuchtigkeit in der Blüte zu viel?

Nicht automatisch. Kurzfristige 60 % sind kein Notfall. Dauerhaft hohe Feuchtigkeit zusammen mit dichten Buds, kühlen Temperaturen und schlechter Luftbewegung ist deutlich problematischer.

Sind 70 % Luftfeuchtigkeit zu viel für Cannabis?

Bei Keimlingen oder Stecklingen können solche Werte zeitweise passen. In der späteren Blüte wären dauerhaft etwa 70 % deutlich kritischer.

Was ist VPD bei Cannabis?

VPD beschreibt den Unterschied zwischen der möglichen und tatsächlich vorhandenen Wasserdampfmenge der Luft. Dadurch werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit gemeinsam betrachtet.

Warum steigt die Luftfeuchtigkeit nachts?

Nach Licht-Aus sinkt häufig die Temperatur. Dadurch steigt bei gleicher Wassermenge in der Luft die relative Luftfeuchtigkeit.

Wie bekomme ich die Luftfeuchtigkeit im Growzelt runter?

Durch ausreichende Abluft, trockenere Zuluft, gegebenenfalls einen Luftentfeuchter und gute Luftbewegung im Pflanzenbestand.

Wo sollte das Hygrometer im Growzelt hängen?

Ungefähr auf Höhe des Blätterdachs beziehungsweise der Buds und nicht direkt neben Befeuchter, Abluft oder Ventilator.

Fazit: Die richtige Luftfeuchtigkeit für Cannabis

Die wichtigsten Richtwerte sind schnell zusammengefasst:

  • Keimling: ca. 65–75 % RH
  • Wachstum: ca. 55–70 % RH
  • frühe Blüte: ca. 50–60 % RH
  • späte Blüte: ca. 45–55 % RH

Aber: Luftfeuchtigkeit nie komplett isoliert betrachten. Temperatur und VPD verändern, was derselbe RH-Wert für die Pflanze bedeutet.

In der Blüte kommt außerdem das Mikroklima innerhalb dichter Buds dazu. Deshalb sind stabile Werte, gute Abluft und sinnvolle Luftbewegung wichtiger als die Jagd nach einer einzelnen perfekten Prozentzahl.

Quellen

Fachstand: August 2026. Die genannten Klima- und VPD-Werte sind praktische Orientierungsbereiche und keine universellen Sollwerte für jede Genetik und jedes Setup.