· By Grannysweed Redaktion
Teerfilter für Zigaretten im Vergleich: Was bringen sie wirklich?
Teerfilter für Zigaretten können bestimmte Bestandteile des Rauchs zurückhalten – aber kein Filter macht Zigaretten unschädlich. Besonders für Aktivkohle gibt es gute Hinweise darauf, dass bestimmte gasförmige Verbindungen reduziert werden können. Andere Stoffe werden deutlich weniger beeinflusst. Bei klassischen Aufsteckfiltern und Kieselgel-Systemen hängt die tatsächliche Filterleistung wiederum stark von Konstruktion, Material und Nutzung ab.
Welche Zigarettenfilter sind am sinnvollsten?
Teerfilter für Zigaretten im Vergleich
| Filterart | Funktionsprinzip | Stärke | Schwäche | Unsere Einordnung |
|---|---|---|---|---|
| Aktivkohlefilter | Adsorption an poröser Aktivkohle | gute Daten für bestimmte gasförmige Verbindungen | filtert nicht sämtliche Schadstoffe | technisch am besten untersucht |
| Kieselgel-Spitzenfilter | poröses Granulat bindet Kondensat und Rauchbestandteile | wiederverwendbare Spitze, Filter austauschbar | unabhängige Vergleichsdaten begrenzt | interessantes Mehrweg-System |
| Einweg-Aufsteckfilter | Rauch wird durch kleine Kammern / Barrieren geleitet | sehr einfach nachrüstbar | Leistungsversprechen unterscheiden sich stark | am unkompliziertesten |
| Standard-Zigarettenfilter | meist Celluloseacetat | bereits Bestandteil der Zigarette | kein zusätzlicher Filter und kein Beleg für „sicheres“ Rauchen | Baseline, kein Zusatzfilter |
Unsere Einordnung ist kein eigener Labortest. Wir vergleichen Filterprinzip, Handhabung, veröffentlichte Forschung und nachvollziehbare Produktdaten.
1. Aktivkohlefilter
Besonders interessant, wenn du wissen möchtest, welches Filtermaterial wissenschaftlich am besten untersucht ist.
Aktivkohle funktioniert anders als ein einfacher Faserfilter.
Sie besitzt eine sehr große innere Oberfläche, an der sich bestimmte Moleküle aus einem Gasstrom anlagern können. Dieser Prozess heißt Adsorption.
Bei Zigarettenrauch ist vor allem die Gasphase interessant.
Untersuchungen mit Aktivkohlefiltern fanden beispielsweise geringere Mengen beziehungsweise Biomarker bestimmter:
- flüchtiger organischer Verbindungen,
- Aldehyde,
- gasförmiger freier Radikale
- und weiterer Rauchbestandteile.
Das funktioniert aber nicht gleichmäßig für alle Stoffklassen.
Eine Humanstudie mit Aktivkohlefiltern fand beispielsweise geringere Exposition gegenüber bestimmten Verbindungen wie Benzol und 1,3-Butadien, während Kohlenmonoxid und Nikotin nicht signifikant verändert wurden.
- Filterprinzip wissenschaftlich gut nachvollziehbar
- kann bestimmte gasförmige Bestandteile adsorbieren
- verschiedene Größen verfügbar
- auch als Eindrehfilter erhältlich
- kein vollständiger Schadstofffilter
- Wirkung hängt von Kohlemenge und Konstruktion ab
- Partikelphase wird anders beeinflusst als Gasphase
- kein Nachweis für risikofreies Rauchen
Mehr zur Funktionsweise findest du in unserem ausführlichen Guide Was Aktivkohlefilter beim Rauchen tatsächlich machen.
2. Denicotea Kieselgel-Spitzenfilter
Ein klassisches Zigarettenspitzen-System mit austauschbarer Filterpatrone.
Denicotea verfolgt ein anderes Konzept.
Die Zigarette wird nicht direkt über den normalen Filter genutzt, sondern in eine Zigarettenspitze mit zusätzlicher Filterpatrone gesteckt.
Im Filter sitzt poröses Kieselgel. Die transparente Patrone verfärbt sich während der Nutzung sichtbar.
Denicotea bietet aktuell unter anderem:
- Regular Filter,
- Long Filter
- und 6-mm-Slim-Filter.
Der Hersteller empfiehlt je nach Rauchverhalten einen Wechsel nach ungefähr 10 bis 15 Zigaretten.
Die Idee ist technisch plausibel: Das poröse Material soll Kondensat und bestimmte Rauchbestandteile aufnehmen.
Was ich hier aber nicht machen würde: Herstellerangaben wie „X Prozent weniger Schadstoffe = X Prozent weniger gesundheitliches Risiko“ weiterrechnen. Dafür gibt es keine Grundlage.
- Zigarettenspitze wird wiederverwendet
- Filterpatronen einzeln austauschbar
- Regular- und Slim-Varianten
- Sättigung teilweise optisch sichtbar
- zusätzliche Zigarettenspitze nötig
- größer als einfache Aufsteckfilter
- weniger unabhängige Daten als zu Aktivkohle
- laufende Kosten für Filterpatronen
3. Einweg-Aufsteckfilter
Filteraufsätze werden einfach auf das Mundstück einer fertigen Zigarette gesetzt.
Unter Suchbegriffen wie Teerfilter Zigaretten oder Anti-Teer-Filter findest du besonders viele dieser kleinen transparenten Aufsätze.
Das Grundprinzip besteht meist darin, den Rauch durch zusätzliche:
- Kammern,
- Engstellen,
- Prallflächen
- oder Filtermaterialien
zu führen.
Dadurch kann sich sichtbares Kondensat im Filter sammeln.
Beispiele für diese Produktklasse sind TarGard sowie zahlreiche generische Micro-/Aufsteckfilter.
TarGard beschreibt bei seinen aktuellen Einwegfiltern beispielsweise ein System aus mehreren Prallflächen und gibt an, dass ein Filter typischerweise für mehrere Zigaretten genutzt wird.
- extrem einfache Anwendung
- kein spezielles Mundstück nötig
- günstig in größeren Packungen
- sichtbare Ablagerungen im Filter
- viel Einweg-Kunststoff
- große Qualitätsunterschiede
- teilweise aggressive Marketingversprechen
- unabhängige Leistungsdaten oft nicht vorhanden
Was bedeutet „Teer“ bei Zigaretten eigentlich?
Der Begriff führt schnell in die falsche Richtung.
„Teer“ ist bei Zigarettenrauch nicht einfach eine einzelne schwarze Chemikalie, die ein Filter vollständig herausfangen könnte.
Es handelt sich vielmehr um eine Sammelgröße für den partikulären Anteil des Rauchs nach bestimmten Messverfahren.
Zigarettenrauch besteht gleichzeitig aus:
Hier befinden sich viele weniger flüchtige Rauchbestandteile.
Hier kann Aktivkohle bei bestimmten Verbindungen besonders relevant sein.
Genau deshalb ist die Bezeichnung „Teerfilter“ eigentlich ziemlich unscharf.
Was filtern Aktivkohlefilter wirklich?
Aktivkohle ist besonders interessant für bestimmte flüchtige Verbindungen.
Laboruntersuchungen fanden beispielsweise deutliche Reduktionen verschiedener VOCs bei entsprechend aufgebauten Aktivkohlefiltern.
Andere Stoffe werden wesentlich schwächer beeinflusst.
Eine Studie zu halbflüchtigen Verbindungen fand beispielsweise, dass leichtere polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe teilweise reduziert wurden, während schwerere Verbindungen wie Benzo[a]pyren deutlich weniger auf die Aktivkohlefiltration reagierten.
Filtern Teerfilter Nikotin?
Je nach Filterdesign kann sich auch die gemessene Nikotinmenge verändern.
Die Wirkung ist allerdings nicht automatisch besonders groß.
In einer kontrollierten Humanstudie änderten sich Nikotinaufnahme und Kohlenmonoxidexposition beim Wechsel zwischen vergleichbaren Zigaretten mit Celluloseacetat- und Aktivkohlefilter nicht signifikant, obwohl bei einigen anderen Rauchbestandteilen Unterschiede gemessen wurden.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum man Filter nicht nach einem einzigen Stoff beurteilen sollte.
Warum „weniger Teer“ nicht automatisch „weniger Risiko“ bedeutet
Das Problem ist schon aus der Geschichte sogenannter „Light“-Zigaretten bekannt.
Durch Filterventilation konnten Zigaretten bei standardisierten Maschinenmessungen niedrigere Werte erreichen.
Menschen rauchen aber nicht wie standardisierte Maschinen.
Bei leichterem Zugwiderstand beziehungsweise verdünntem Rauch kann es zu kompensatorischem Rauchverhalten kommen – beispielsweise größeren oder häufigeren Zügen.
Deshalb gelten niedrige Maschinenwerte nicht als verlässlicher Beleg für ein entsprechend niedrigeres Gesundheitsrisiko.
Aktivkohlefilter oder klassischer Teerfilter?
| Aktivkohlefilter | Aufsteck-/Kondensatfilter | |
|---|---|---|
| Hauptprinzip | Adsorption | mechanische Abscheidung / Kondensation je nach Konstruktion |
| Besonders interessant für | bestimmte gasförmige Verbindungen | sichtbares Kondensat und Partikel |
| Forschung | vergleichsweise umfangreich | stark produktabhängig |
| Anwendung | Filtertip beziehungsweise Filterkammer | direkt auf Zigarette aufstecken |
| Gesundheitsrisiko beseitigt? | Nein | Nein |
Was ist mit normalen Cellulose-Zigarettenfiltern?
Der typische weiße Filter einer industriell gefertigten Zigarette besteht überwiegend aus Celluloseacetat.
Seine Wirkung unterscheidet sich von zusätzlicher Aktivkohle.
Vor allem sollte man aus der Existenz eines Filters nicht schließen:
„Gefilterte Zigarette = ungefährlich.“
Das ist eindeutig falsch.
Auch moderne gefilterte Zigaretten erzeugen bei der Verbrennung ein komplexes Gemisch zahlreicher gesundheitsschädlicher Stoffe.
Welche Zigarettenfilter würde ich kaufen?
Ich würde nicht nach dem größten Prozentversprechen suchen.
Stattdessen nach:
Der Hersteller sollte sagen, ob Aktivkohle, Kieselgel oder ein mechanisches Filtersystem verwendet wird.
Regular, Slim und Selbstgedrehte unterscheiden sich im Durchmesser.
Bei Mehrfachnutzung sollte klar sein, wann ein Filter ersetzt werden soll.
Versprechen wie „90 % Schadstoffe weg“ ohne transparente Messmethode würde ich skeptisch sehen.
Teer- und Zigarettenfilter vergleichen
Wenn du einen zusätzlichen Filter suchst, würde ich zuerst entscheiden, ob du einen einfachen Aufsteckfilter, ein wiederverwendbares Zigarettenspitzen-System oder einen Aktivkohlefilter möchtest.
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Ohne genaue Messmethode: wenig.
Du müsstest mindestens wissen:
- welche Zigarette getestet wurde,
- wie geraucht beziehungsweise maschinell gezogen wurde,
- welche Stoffe gemessen wurden,
- ob Gas- oder Partikelphase untersucht wurde
- und ob die Messung unabhängig durchgeführt wurde.
Eine Prozentzahl auf einem Marketplace-Listing sagt dir das häufig nicht.
Deshalb würde ich lieber ein transparent beschriebenes Filterprinzip wählen als den größten Marketingwert.
Wie oft muss man einen Teerfilter wechseln?
Das hängt komplett vom Filtersystem ab.
Einweg-Aufsteckfilter werden je nach Bauart teilweise nur für wenige Zigaretten verwendet.
Denicotea nennt für seine austauschbaren Kieselgel-Filter beispielsweise ungefähr 10 bis 15 Zigaretten, abhängig vom Rauchverhalten.
Bei Aktivkohlefiltern ist wiederum die vorgesehene Nutzung des konkreten Produkts entscheidend.
Ein gesättigtes Filtermedium wird nicht besser, nur weil man es möglichst lange weiterverwendet.
Warum verfärbt sich ein Teerfilter braun?
Der Rauch enthält Aerosoltröpfchen und Partikel, die sich auf beziehungsweise im Filter ablagern können.
Dadurch können transparente Filter mit der Zeit:
- gelb,
- braun
- oder dunkelbraun
werden.
Das ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass Material im Filter zurückbleibt.
Es ist allerdings kein Messgerät für die gesamte Schadstoffbelastung.
Verändert ein zusätzlicher Filter den Zugwiderstand?
Das kann passieren.
Jedes zusätzliche Filtermedium erzeugt grundsätzlich einen gewissen Strömungswiderstand.
Wie stark du das bemerkst, hängt ab von:
- Filtermaterial,
- Länge,
- Durchmesser,
- Sättigungsgrad
- und Konstruktion.
Ein stark zugesetzter Filter kann deshalb deutlich schwerer ziehen als ein frischer.
Warum gibt es keinen echten „Teerfilter Testsieger“?
Weil ein seriöser Testsieger eine vergleichbare Messung voraussetzen würde.
Dafür müssten verschiedene Filter:
- mit demselben Rauchmaterial,
- derselben Zugmethode,
- demselben Rauchvolumen
- und derselben chemischen Analyse
geprüft werden.
Solche unabhängigen Head-to-Head-Labordaten sind für viele der günstigen Aufsteckfilter schlicht nicht verfügbar.
Was sagt das deutsche Recht zu Gesundheitsversprechen?
Auch rechtlich sind Aussagen rund um „gesünderes Rauchen“ problematisch.
Das deutsche Tabakerzeugnisgesetz verbietet Werbung für Tabakerzeugnisse, die den Eindruck erweckt, ihr Konsum sei gesundheitlich unbedenklich oder wirke sich positiv auf die Gesundheit aus.
Auch der Eindruck, ein Tabakerzeugnis sei aufgrund einer vermeintlichen Reduktion schädlicher Rauchbestandteile weniger schädlich, ist regulatorisch besonders problematisch.
Deshalb wirst du bei Granny’s keine Aussage finden wie:
„Mit Filter ist Rauchen gesund.“
Das wäre fachlich ohnehin falsch.
Teerfilter für Zigaretten: Fazit
Aktivkohle: beste unabhängige Datenlage für bestimmte gasförmige Rauchbestandteile.
Kieselgel: interessantes Mehrweg-System mit austauschbarer Filterpatrone.
Aufsteckfilter: besonders einfach nachzurüsten, aber große Unterschiede zwischen Produkten.
Sichtbare Ablagerungen: zeigen, dass etwas zurückgehalten wird – nicht wie stark das Gesamtrisiko sinkt.
Nikotin: kann je nach Filter beeinflusst werden, wird aber nicht automatisch stark reduziert.
Kohlenmonoxid: wird durch Aktivkohle nicht zuverlässig entfernt.
Prozentversprechen: ohne transparente Messbedingungen skeptisch betrachten.
Wichtigste Aussage: Ein zusätzlicher Filter kann die Zusammensetzung des Rauchs verändern, macht das Rauchen aber nicht gesundheitlich unbedenklich.
Wenn ich ausschließlich nach dem Filterprinzip entscheiden müsste, finde ich Aktivkohle am interessantesten, weil ihre Wirkung auf bestimmte Rauchbestandteile wesentlich besser untersucht ist. Wer dagegen einfach einen Aufsatz für fertige Zigaretten möchte, findet mit Aufsteck- oder Zigarettenspitzenfiltern praktischere Lösungen – sollte deren Marketingversprechen aber nicht mit klinisch nachgewiesener Risikoreduktion verwechseln.
Quellen
- Scherer et al. (2006): Influence of smoking charcoal filter tipped cigarettes on various biomarkers of exposure.
- Polzin et al. (2008): Effect of charcoal-containing cigarette filters on gas phase volatile organic compounds.
- Goel et al. (2017): Activated charcoal filtration and carbonyl reduction in cigarette smoke.
- Tabakerzeugnisgesetz (TabakerzG), insbesondere §§ 18, 19 und 21.