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PPFD und DLI beim Cannabis-Anbau: Lichtplanung wie ein Profi

Wenn du deine Pflanzen schon mal unter künstlichem Licht angebaut hast, kennst du wahrscheinlich das Dilemma: Ist meine Lampe stark genug? Bekommt mein Cannabis genug Licht? Die Antwort liegt nicht in Watt oder Lumen – sondern in PPFD und DLI. Diese Werte verraten dir, was deine Pflanzen wirklich mit dem Licht anfangen können. In diesem Guide zeige ich dir, wie du diese Werte verstehst, misst und für maximalen Ertrag optimierst – ganz ohne kompliziertes Fachchinesisch.

PPFD verstehen: Was bedeutet dieser Wert wirklich?

PPFD-Messung über einer Cannabis-Pflanze mit einem Quantum-Sensor

PPFD-Messung mit einem professionellen Quantum-Sensor über einer Cannabis-Pflanze

PPFD steht für "Photosynthetic Photon Flux Density" (photosynthetische Photonenflussdichte) und wird in µmol/m²/s gemessen. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach: PPFD gibt an, wie viele Photonen (Lichtteilchen) pro Sekunde auf einen Quadratmeter deiner Pflanzen treffen – und zwar nur die Photonen, die deine Pflanze für die Photosynthese nutzen kann.

Anders als Lumen, die nur messen, wie hell das Licht für unsere menschlichen Augen erscheint, zeigt PPFD, was deine Pflanzen tatsächlich "sehen" und verarbeiten können. Deshalb gilt in der Grow-Community der Spruch: "Lumen are for humans, PPFD is for plants" (Lumen sind für Menschen, PPFD ist für Pflanzen).

Warum ist PPFD wichtiger als Watt oder Lumen?

Früher haben wir Grow-Lampen nach Watt beurteilt. Dann kamen LEDs, und plötzlich brachte eine 250W LED mehr Ertrag als eine 400W Natriumdampflampe. Warum? Weil es nicht um die aufgenommene Energie (Watt) geht, sondern um die für die Photosynthese nutzbare Strahlung – und genau das misst PPFD.

Lumen hingegen messen nur, wie hell das Licht für unsere Augen ist. Das Problem: Pflanzen "sehen" anders als wir. Sie nutzen hauptsächlich rotes und blaues Licht für die Photosynthese, während unser Auge am empfindlichsten für grünes Licht ist. Eine Lampe kann also für uns super hell erscheinen (hohe Lumen), aber trotzdem wenig nutzbare Photonen für deine Pflanzen liefern (niedriger PPFD).

Wichtig zu wissen: PPFD misst nur die Photonen im PAR-Bereich (Photosynthetically Active Radiation), also Licht mit Wellenlängen zwischen 400 und 700 Nanometern. Dieser Bereich entspricht dem Spektrum, das Pflanzen für die Photosynthese nutzen können.

Die Verteilung macht den Unterschied

Ein oft übersehener Aspekt: PPFD-Werte sind nie gleichmäßig über deine gesamte Anbaufläche verteilt. Direkt unter der Lampe ist der PPFD-Wert am höchsten (Hotspot) und nimmt zu den Rändern hin ab. Billige Lampen haben oft einen starken Hotspot in der Mitte, während hochwertige Grow-Lights eine gleichmäßigere Verteilung bieten.

PPFD-Verteilungskarte eines Grow-Zelts mit farblicher Darstellung der Lichtintensität

PPFD-Verteilungskarte: Die Farben zeigen die unterschiedlichen Lichtintensitäten in µmol/m²/s

PPFD-Werte für jede Wachstumsphase deiner Cannabis-Pflanzen

Cannabis hat in jeder Wachstumsphase unterschiedliche Lichtbedürfnisse. Zu wenig Licht führt zu schwachen Pflanzen und mageren Erträgen, zu viel Licht kann zu Stress und sogar Verbrennungen führen. Hier sind die optimalen PPFD-Werte für jede Phase:

Wachstumsphase PPFD-Wert (µmol/m²/s) Empfohlene Dauer Anmerkungen
Keimung & Keimlinge 100 - 300 18-24 Stunden Zu starkes Licht kann Keimlinge verbrennen
Frühe Vegetationsphase 300 - 500 18 Stunden Fördert kompaktes Wachstum und Wurzelbildung
Späte Vegetationsphase 500 - 700 18 Stunden Bereitet die Pflanze auf die Blüte vor
Frühe Blüte 600 - 800 12 Stunden Unterstützt die Bildung von Blütenansätzen
Mittlere Blüte 800 - 1000 12 Stunden Maximiert die Blütenbildung
Späte Blüte 900 - 1200 12 Stunden Fördert Harzproduktion und Trichombildung

Anzeichen für zu viel oder zu wenig Licht

Zu wenig Licht (zu niedriger PPFD)

  • Lange, dünne Stängel (Streckungswachstum)
  • Große Abstände zwischen den Blattansätzen
  • Blasse, hellgrüne Blätter
  • Langsames Wachstum
  • Kleine, lockere Blüten mit wenig Harz

Zu viel Licht (zu hoher PPFD)

  • Gekräuselte, nach oben gebogene Blätter
  • Gelbe oder braune Flecken (Lichtverbrennungen)
  • Ausgebleichte Blüten
  • Verringerte Wachstumsrate trotz optimaler Bedingungen
  • Erhöhter Wasserbedarf

Optimales Licht für jede Wachstumsphase

Die Spider Farmer SF1000 ist dimmbar und eignet sich gut, um die Lichtintensität schrittweise anzupassen – von sanfter Beleuchtung in der Keimlingsphase bis zu kräftigerem Licht in der Blüte. Welche PPFD-Werte du erreichst, hängt vor allem von Abstand, Dimmstufe und Setup ab.

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DLI verstehen: Warum die tägliche Lichtmenge entscheidend ist

PPFD ist wie die Momentaufnahme der Lichtintensität. Aber für deine Pflanzen zählt die gesamte Lichtmenge über den Tag verteilt – und genau das misst der DLI (Daily Light Integral oder Tägliches Lichtintegral).

Grafische Darstellung des DLI-Konzepts mit Zeitachse und PPFD-Werten

DLI: Die Summe aller Photonen, die deine Pflanze über den Tag erhält

DLI berechnen: Die einfache Formel

Die Berechnung des DLI ist eigentlich ganz einfach:

DLI = PPFD × Beleuchtungsdauer in Sekunden ÷ 1.000.000

Beispiel: 600 µmol/m²/s × (18 Stunden × 3600 Sekunden) ÷ 1.000.000 = 38,9 mol/m²/d

Der DLI wird in mol/m²/d (Mol pro Quadratmeter pro Tag) gemessen und gibt die Gesamtmenge an Photonen an, die deine Pflanzen über einen Tag erhalten.

Optimale DLI-Werte für Cannabis

Wachstumsphase Optimaler DLI (mol/m²/d) Minimaler DLI Maximaler DLI
Keimung & Keimlinge 10 - 15 8 18
Vegetationsphase 30 - 40 20 45
Blütephase 35 - 45 25 60

Warum DLI wichtiger ist als du denkst

Stell dir zwei Grow-Setups vor: Setup A mit 1000 µmol/m²/s für 12 Stunden und Setup B mit 500 µmol/m²/s für 24 Stunden. Beide liefern den gleichen DLI von 43,2 mol/m²/d, aber das Ergebnis wird völlig unterschiedlich sein!

Bei zu hoher Intensität (Setup A) kann es zu Lichtsättigung kommen – deine Pflanzen können nicht alle Photonen verarbeiten und "verschwenden" einen Teil des Lichts. Bei moderater Intensität über längere Zeit (Setup B) nutzen die Pflanzen das Licht effizienter, aber die ständige Beleuchtung kann den natürlichen Rhythmus stören.

"Der perfekte DLI ist wie ein Marathon, nicht wie ein Sprint. Gleichmäßige, moderate Lichtmengen über die optimale Zeit bringen bessere Ergebnisse als kurze Lichtschocks mit extremer Intensität."

PPFD und CO₂: Die perfekte Partnerschaft

Ein oft übersehener Faktor: Deine Pflanzen können nur so viel Licht nutzen, wie sie CO₂ zur Verfügung haben. Bei normalen CO₂-Werten in Innenräumen (400-500 ppm) ist die Photosynthese ab etwa 800-900 µmol/m²/s limitiert – mehr Licht bringt dann kaum noch Vorteile.

CO₂-Konzentration Maximaler nutzbarer PPFD Empfohlene Temperatur
400-500 ppm (normal) ~800 µmol/m²/s 20-26°C
800-1000 ppm (erhöht) ~1200 µmol/m²/s 24-28°C
1200-1500 ppm (hoch) ~1500 µmol/m²/s 26-30°C

Wichtig: Bei erhöhten CO₂-Werten solltest du auch die Temperatur leicht anheben, da die optimale Photosynthese-Temperatur mit steigendem CO₂-Gehalt zunimmt. Achte aber auf die relative Luftfeuchtigkeit, um Schimmelbildung zu vermeiden!

PPFD messen: Vom Smartphone bis zum Profi-Sensor

Um dein Grow-Setup zu optimieren, musst du wissen, wie viel PPFD tatsächlich bei deinen Pflanzen ankommt. Hier sind die gängigsten Methoden:

Smartphone-Apps: Günstig aber ungenau

Es gibt mehrere Apps, die die Kamera deines Smartphones nutzen, um PPFD-Werte zu schätzen. Diese sind zwar praktisch und kostenlos, aber ihre Genauigkeit lässt zu wünschen übrig – Abweichungen von 20-40% sind keine Seltenheit.

Vorteile

  • Kostenlos oder sehr günstig
  • Immer dabei
  • Einfach zu bedienen
  • Gut für grobe Schätzungen

Nachteile

  • Ungenau (besonders bei LED-Spektren)
  • Stark abhängig vom Smartphone-Modell
  • Keine verlässliche Kalibrierung
  • Nicht für professionelle Zwecke geeignet

Günstige PAR-Meter: Der Mittelweg

Für 50-150€ bekommst du bereits einfache PAR-Meter, die deutlich genauer sind als Apps. Diese Geräte sind ein guter Kompromiss für Hobby-Grower, die ihre Beleuchtung optimieren wollen, ohne ein Vermögen auszugeben.

Professionelle Quantum-Sensoren: Präzision hat ihren Preis

Professionelle PAR-Meter wie das Apogee MQ-500 oder das Li-Cor LI-190R bieten höchste Genauigkeit und Zuverlässigkeit, kosten aber zwischen 300 und 1000€. Diese Geräte sind kalibriert und können verschiedene Lichtspektren präzise messen.

Messe dein Licht wie ein Profi

Für die meisten Home-Setups reicht ein handliches Quantum PAR/PPFD-Messgerät (400–700 nm) völlig aus, um Lampenabstand und Dimmstufe nachvollziehbar einzustellen. Du bekommst schnell ein Gefühl für Hotspots und gleichmäßige Ausleuchtung – ohne direkt in Profi-Hardware investieren zu müssen.

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So misst du richtig

  1. Raster erstellen: Teile deinen Grow-Bereich in ein gleichmäßiges Raster ein (z.B. 3×3 oder 4×4 Punkte).
  2. Richtige Höhe wählen: Messe immer auf der Höhe der Pflanzenspitzen, nicht am Boden.
  3. Mehrfach messen: Nimm an jedem Punkt mindestens drei Messungen vor und bilde den Durchschnitt.
  4. Tageszeit beachten: Bei Tageslicht-Einfluss zu verschiedenen Tageszeiten messen.
  5. Dokumentieren: Notiere die Werte in einer Tabelle oder zeichne eine "Heatmap", um Hotspots zu identifizieren.

Praxis-Tipps: PPFD optimieren ohne neue Lampen zu kaufen

Auch ohne neue Lampen kannst du die PPFD-Werte und deren Verteilung in deinem Grow-Setup verbessern:

Vorher-Nachher-Vergleich der PPFD-Verteilung mit optimiertem Setup

Vorher/Nachher: Optimierte PPFD-Verteilung durch einfache Anpassungen

Abstand anpassen

Die PPFD nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. Eine Verdopplung des Abstands bedeutet nur noch ¼ der Lichtintensität. Experimentiere mit verschiedenen Höhen, um die optimale Balance zwischen Intensität und Gleichmäßigkeit zu finden.

Reflektierende Oberflächen

Weiße Wände oder Mylar-Folien können bis zu 95% des Lichts reflektieren und so die PPFD-Werte an den Rändern deutlich erhöhen. Besonders in Ecken und an den Seiten macht sich das bemerkbar.

Lichtbewegung

Mit einem Light Mover oder durch regelmäßiges Umstellen der Pflanzen kannst du Hotspots vermeiden und für eine gleichmäßigere Lichtverteilung sorgen. So bekommen alle Pflanzen die gleiche Lichtmenge.

Mehrere Lampen richtig positionieren

Bei größeren Grow-Flächen ist es oft besser, mehrere kleinere Lampen zu verwenden statt einer großen. So erzielst du eine gleichmäßigere Verteilung und vermeidest extreme Hotspots.

Perfekte Lichtverteilung für maximalen Ertrag

Eine hochreflektierende Diamant-Folie erhöht die PPFD-Werte an den Rändern deines Grow-Raums um bis zu 30% – für gleichmäßigeres Wachstum und höhere Erträge.

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Fazit: Mit PPFD und DLI zu professionellen Ergebnissen

Die richtige Lichtplanung mit PPFD und DLI ist kein Hexenwerk, aber sie macht oft den entscheidenden Unterschied zwischen mittelmäßigen und herausragenden Ergebnissen. Wenn du die Grundprinzipien verstanden hast und regelmäßig misst, kannst du dein Setup kontinuierlich verbessern.

Üppige, gesunde Cannabis-Pflanzen unter optimal eingestelltem Licht mit PPFD-Messgerät

Das Ergebnis optimaler Lichtplanung: Gesunde Pflanzen und maximaler Ertrag

Denk daran: Jede Pflanze und jeder Grow-Raum ist anders. Die Werte in diesem Guide sind bewährte Richtwerte, aber das Beobachten deiner Pflanzen und das Anpassen an ihre Bedürfnisse ist genauso wichtig wie die Zahlen auf dem Messgerät. Mit etwas Erfahrung wirst du schnell ein Gefühl dafür entwickeln, was deine Pflanzen brauchen.

Hast du Fragen zur Lichtplanung oder Erfahrungen, die du teilen möchtest? Schreib uns gerne – wir helfen dir, das Beste aus deinem Grow herauszuholen!

Kann ich auch ohne Messgerät eine ungefähre Vorstellung von meinen PPFD-Werten bekommen?

Ja, die meisten Hersteller geben PPFD-Karten für ihre Lampen an. Diese zeigen die Werte in verschiedenen Abständen. Bedenke aber, dass diese unter Idealbedingungen gemessen wurden und in deinem Setup abweichen können. Eine App als erste Orientierung ist besser als gar keine Messung.

Warum haben meine Pflanzen Lichtverbrennungen, obwohl ich die empfohlenen PPFD-Werte einhalte?

Mehrere Faktoren können dazu führen: 1) Zu geringer CO₂-Gehalt limitiert die Photosynthese, 2) Zu hohe Temperatur verstärkt Lichtstress, 3) Nährstoffmangel reduziert die Lichttoleranz, 4) Manche Sorten sind lichtempfindlicher als andere. Prüfe alle Umgebungsfaktoren und reduziere ggf. die Lichtintensität.

Wie wichtig ist das Lichtspektrum im Vergleich zum PPFD-Wert?

Beide sind wichtig, aber auf unterschiedliche Weise. PPFD bestimmt die Menge des nutzbaren Lichts, während das Spektrum die Qualität und Wirkung beeinflusst. Ein optimales Spektrum mit zu niedrigem PPFD bringt wenig Ertrag, während ein suboptimales Spektrum mit perfektem PPFD immer noch gute Ergebnisse liefern kann. Idealerweise optimierst du beides.